Fluch und Segen: Poliovirus könnte Krebs heilen.

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Bis Anfang der 60er Jahre wurden durch das hochinfektiöse Polio-Virus Millionen von Menschen dahin gerafft. Anschließend sorgten konsequente und effektive Durchimpfungen der Bevölkerung dafür, dass die heimtückische Infektionskrankheit weitestgehend ausgerottet werden konnte. Zahlreiche Betroffene überlebten die Polio-Epidemien mit viel Glück und behielten schlaffe Lähmungen zurück, um sich heute mit dem sogenannten Post-Polio-Syndrom herum zu schlagen. Doch das Polio-Virus hat offensichtlich auch eine gute Seite. Einem amerikanischen Forscherteam ist es offensichtlich  gelungen, mit einer genmodifizierten Variante des Virus Tumoren erfolgreich zu behandeln.

Von Lothar Epe

Wissenschaftlern des Duke University Medical Centers (Durham, North Carolina, USA) war es nach einem Bericht von CBSnews in einer mit insgesamt 22 Tumor-Patienten durchgeführten Studie schon 2012 gelungen, mit der Injizierung eines genmodifizierten Poliovirus die bösartige Geschwulst von zwei Patienten komplett zu vernichten. Eine davon: Die heute 58-jährige Nany Justice. Auch ihr war das modifizierte Poliovirus direkt in den Tumor gespritzt worden.

Um das Polio-Virus zu einer wirksamen Waffe gegen Tumorzellen aufzurüsten, veränderten die Forscher seine DNA so, dass es sich nur noch in Tumor-, nicht aber in gesunden Zellen vermehren kann. Zudem tauschten sie die Geninformationen für Krankheitssymptome wie Lähmungen gegen die harmlose Gensequenz einer Erkältung aus. Dadurch sollte sicher gestellt sein, dass sich die Probanden nicht mit Polio infizieren und der Virus ausschliesslich die bösartigen Zellen bekämpft.

Patienten befanden sich alle im Endstadium ihrer Erkrankung

Zu Beginn der durchgeführten Studie sollen sich die mit dem modifizierten Virus behandelten Patienten alle im Endstadium ihrer Krebs-Erkankung befunden haben. Eine signifikante Lebensverlängerung konnte bei allen Patienten erreicht werden. Elf Patienten sind inzwischen verstorben. Bei der anderen Hälfte der Studienteilnehmer konnte jedoch eine kontinuierliche Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erreicht werden.

Schon Mitte 2013 hatte auch Polio-Forum.de über diesen spektakulären Behandlungserfolg berichtet. Wie der Poliovirus genau gegen den Tumor wirkt, wussten die Mediziner damals aber noch nicht. Das sollte sich erst in weiteren Untersuchungen zeigen, deren Ergebisse jetzt vorliegen.

Poliovirus überlistet Schutzschild des Tumors

Das modifizierte Polio-Virus könne sich zwar nicht mehr in normalen Zellen reproduzieren . „Aber in Krebszellen schon. Das Virus entlässt Giftstoffe, die die Zelle vergiften“, so Dr. Henry Friedman in einem Interview mit „CBS-News“. Danach gelinge es, das Immunsystem anzuregegen, weil das Polio-Virus dazu in der Lage sei, das Schutzschild des Tumors zu umgehen. Das Virus erkenne zwar nicht den Krebs selbst, wohl aber die Infektion. „Dann beginnt das Virus, die Infektion zu bekämpfen“, so Friedman weiter. Und damit stehe das Polio-Virus als effiziente Waffe gegen den Tumor zur Verfügung.

Es ist nicht nur die Angst vor dem potentiell tödlichen Ausgang der Erkrankung, die die Krebspatienten umtreibt. Auch die durch Bestrahlung und Chemotherapie verursachten Nebenwirkungen machen den von bösartigen Tumoren Betroffenen schwer zu schaffen. Diese traditionellen Methoden der Krebsbehandlung könnten durch die neue Behandlungsmethode womöglich unnötig werden. Die Wissenschaftler haben jedenfalls große Hoffnung in die Zukunft dieser neuen Waffe gegen bösartige Tumoren. Deshalb wollen sie in Zukunft testen, wie wirksam sich die Injizierung mit dem modifizierten Virus gegen zahlreiche andere Krebsarten einsetzen läßt.

Mehr Infos auf CBSnews

Vorstellung der Studie auf You Tube:

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