Poliobetroffene wurde 112 Jahre alt

Mit 22 Jahren wegen einer Kinderlähmung für Jahre ans Bett gefesselt, war Edelgard Huber von Gersdorff bis zu ihrem Tod im April 2018 die älteste noch lebende Deutsche. Von Lothar H. Epe

Warb noch im Februar 2018 für die einheitliche 112 in ganz Europa (Foto: Stredic/Wikipedia/ CC BY-SA 4.0)

Warb noch im Februar 2018 für die einheitliche 112 in ganz Europa (Foto: Stredic/Wikipedia/ CC BY-SA 4.0)

Dass Polio-Opfer nicht zwangsläufig eine niedrigere Lebenserwartung haben als Menschen, die glücklicherweise von dem tückischen Kinderlähmungsvirus verschont geblieben sind, hat Edelgard Huber von Gersdorff eindrucksvoll bewiesen. Die Poliobetroffene Adelige starb im April 2018 mit stolzen 112 Jahren. Friedlich wie man hört.

Älteste lebende Deutsche

Damit war sie bis zu ihrem Tod für kurze Zeit die älteste lebende Deutsche. Den Titel der ältesten Bürgerin Karsruhes, wo Frau Huber von Gersdorff bis zuletzt in einem Altersheim lebte, hatte die frühere leidenschaftliche Sportlerin da schon längst errungen. Noch bis kurz vor ihrem Tod soll sie ein tägliches Muskeltraining absolviert haben.

Die bis zuletzt für das Weltgeschehen offene Adelige hat nicht nur zwei Weltkriege überlebt. Mit 22 Jahren erkrankte sie schwer an Kinderlähmung und soll deshalb anschließend für mehrere Jahre ans Bett gefesselt gewesen sein. Huber von Gersdorff läßt sich aber auch davon nicht unterkriegen. Danach hat sie sich einfach neu erfunden. Musste sie wegen der Poliomyelitis schweren Herzens ihr Chemiestudium abbrechen, hat sie nach ihrer Rekonvaleszenz einfach Jura studiert und abgeschlossen und bis zu ihrem Ruhestand als Justiziarin gearbeitet.

Noch am 11. Februar 2018, zum Tag des europaweiten Notrufs 112, ließ sich die bis zuletzt rüstige Rentnerin aus purer Überzeugung vor den europäischen Karren spannen und wurde Ehrenschirmherrin der Aktion „Ein Europa – eine Nummer“. Damit wurde der europaweit gültige Notrufnummer 112 beworben.

Die 112 als wichtiges Symbol der europäischen Einigung

Das Engagement war ihr wichtig. „Die 112 ist das Zeichen für Hilfe und ein wichtiges Symbol für die europäische Einigung“, so Huber von Gersdorff damals und anläßlich der Aktion. Schließlich hatte die Adelige die Entwicklung Europas seit dem Deutschen Kaiserreich und während zweier Weltkriege sowie die europäische Einigung selbst miterlebt.

Auf die im Zusammenhang gern gestellte Frage, wie es ihr denn gelungen sei, so alt zu werden, hatte aber auch die adelige Einhundertzwölferin keine zufriedenstellende Antwort. „Das war Schicksal“, soll sie geantwortet haben und läßt damit alle weiterhin im Regen stehen, die so gerne wüßten, wie man denn wenigstens steinalt wird, wenn es schon kein ewiges Leben gibt.

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